... Ich bin dann mal weg ...

nachdem ich zu Hause gut gefrühstückt hatte, packte ich die Taschen an mein Rad und fuhr los. Zunächst war ich überrascht wie wackelig das Handling doch mit ca. 30kg Zuladung war. Ich musste die Sturmschäden umfahren bis ich dann auf die geplante Route Richtung Osten kam. Ich fuhr sodann über Eppertshausen, Babenhausen nach Stockstadt am Main wo ich um die Mittagszeit bereits ankam. Geplant war als erter Stop der Campingplatz Mainparksee, jedoch war die Mainbrücke zwecks Überfahrt gesperrt.

Nach kurzer Überlegung stand fest "Ich fahre einfach auf der rechten Mainseite zum nächsten Campingplatz Mainaue-Wörth weiter".

Entlang des Main-Radweg bin ich bei strahlendem Sonnenschein nach 75,1 km auf dem Campingplatz angekommen. Für den ersten Tag schon mal ein ordentlicher Trip und das "ohne Reifenpanne". Zeltplatz im Schatten unter Nussbäumen inklusive Duschen und Akku laden in der Camping-Kneipe für 11.-Euro.

Zelt aufgebaut, Iso-Matte aufgepumpt, Taschen untergestellt. Na ja, braucht eben noch etwas Übung, aber war dann nach 45 Minuten bewältigt. Schön geduscht und zum Abendessen nach ca. 500m Fussmarsch eine italienische Lokalität in Wörth gefunden. Habe mir eine Nudel-Combinazione und ein Weißbier gegönnt. Toller Tag und gelungener Einstieg ins Reiseradeln. Wieder zurück auf dem Campingplatz habe ich den Abend ausklingen lassen und bin dann Hundemüde in mein Zelt gekrabbelt.

Am nächsten Morgen dann noch ein kleiner Erfahrungsaustausch mit einem netten Pärchen welches mit Muskel-Bikes unterwegs war. Nachdem ich nun wieder alles abgebaut und verstaut hatte ging es zum nahe gelegenen Norma um Wasser einzukaufen und ein Croissant zu futtern.


... weiter den Main entlang ...

am zweiten Tag meiner Radreise, bei herrlichem Sonnenschein und flacher Strecke geht es immer dem Main entlang weiter. In Freudenberg den Main überquerend fahre ich nun auf der anderen Flusseite bis Wertheim weiter. Durch einen fatalen Planungsfehler meinerseits bin ich nun nach Überquerung der Mainbrücke und Nichtbeachtung von weiteren Höhendaten in die "Wallachei" geraten und habe mich zuerst eine absolut steile Stiege hochgequält. Gott sei Dank habe ich einen älteren Herrn angetroffen und bin auf dessen Rat über Reichholzheim nach Bronnbach gekommen, wo ich dann in der "Pension Klosterhof"  ein Zimmer mit Übernachtung und Frühstück  buchen konnte.

Bronnbach ist ein Ort mit einem verlassenen riesigen Kloster und einem Gasthaus, das war's, absolute Ruhe und Einsamkeit. Zum Abendessen habe ich mir eine Rindsroulade mit Spätzle, Gemüse und Salat gegönnt. Wer Ruhe und Besinnung sucht ist hier wahrscheinlich genau richtig.

ACHTUNG: nach Überquerung der Mainbrücke bei Wertheim besser gleich auf den Radweg "Liebliches Taubertal - Der Klassiker" begeben!!!


... weiter durch das wundervolle Taubertal ...

am dritten Tag meiner Radreise, es ist nun der 25.08.2019 bin ich inzwischen wieder auf der vorher geplanten Route und fahre an der Tauber entlang. Der "Schlenker in die Wallachei" am Vortag hätte nicht sein müssen, aber aus Erfahrung wird man klug! Bei herrlichem Wetter und flacher Strecke geniesse ich meinen weiteren Tourenverlauf, der mich nach Markelsheim führt. Genau in diesem Ort hatte ich in 2018 eine Woche Urlaub mit meinem Velotraum-Trekking-Rad verbracht, wobei ich damals sogenannte "Sternfahrten" unternommen hatte.

 

... das Gasthaus "Ochsen" ...
... sehr, sehr empfehlenswert, TOP!

Inzwischen war es 13:30 Uhr als ich in der Ortsmitte von Markelsheim vorbeikam und zudem sehr hungrig war. Kurz entschlossen hielt ich wiederum am "Gasthaus Ochsen" an und fragte die Wirtin ob es noch etwas Warmes zu essen gibt, war schon etwas spät. "Pfeffer-Rahmschnitzel mit Spätzle oder Pommes" könne Sie mir gerne noch machen. Klasse, ich kannte die Portionen und bestellte besser eine Seniorenportion mit einer Apfelschorle (wollte danach ja noch weiter!).
Gute Wahl, denn diese Portionen, bei dieser Qualität und vor allem einem solchen Preis-Leistungs-Verhältnis kann bisher keiner toppen! Aus der einen Apfelschorle wurden zwei, wobei der Rest der zweiten in meine Trinkflasche kam.

 

Rechnung: 1 Pfeffer-Rahm-Schnitzel, zwei Apfelsaftschorle 0,5 Liter für 13.- EURO
(bei uns im Rhein-Main-Gebiet hätte ich dafür min. 25.- Euro hingelegt bei 0,4 l Apfelschorle!)
Dieses Gasthaus kann ich bedenkenlos weiterempfehlen. TOP Qualität, überaus große Portionen, sehr nette Wirtsleute, bürgerliche Athmosphäre!

Wer großen Hunger hat darf gerne mal versuchen "ein Cordon Bleue" zu essen, das ist der helle "Wahnsinn", solche Bretter hatte ich vorher noch nie gesehen!

 


...nach dem Essen aber weiter durch das Taubertal ...

... immer weiter, ... immer weiter ..., Richtung Tauberbischofsheim, Bad Mergentheim, Creglingen ... , habe mich inzwischen an die Strampelei gewöhnt und ziehe nach den ersten beiden Tagen ohne Radhose doch lieber die "gepolsterten" an da die Sitzknochen mittlerweile stark schmerzen. Nach ca. 60km schlägt das Wetter um, ich spüre den kälteren Gegenwind und sehe die dunklere Wolkenbildung am Himmel. Es donnert und kracht, jedoch entschliesse ich mich weiter von dem eventuell kommenden Unwetter weg zu fahren (in meiner Richtung scheint es etwas heller zu werden).

Das Wetter holt mich jedoch ein, oh was ein Glück, ein uralter Bauernhof zum Gasthof Holdermühle umgebaut, direkt am Radweg, jedoch mitten in der Prärie, Klasse, so wünsche ich mir das! Unglaublich jeden Tag ein neues Abenteuer, so eine Punktlandung ohne Planung!

Deutsch, Urig, Einheimische aber auch weitere Radler kennengelernt, Erfahrungsaustausch, Gespräche über "Dies und Das, die Welt ... "  Entspannung, einfach locker. Ich buche eine Übernachtung mit Frühstück, den "orangenen Fury" in der alten Scheune mit Schiebetor abgeschlossen. (schade, kein Foto gemacht :-(( )

Ich fühle mich an diesem Ort wie in meiner Kindheit, Deutsch, Natur, Ruhe und Gemütlichkeit, alles in Ordnung ... "Ich frage mich "Warum konnte das nicht alles so bleiben???". Na ja, die Welt dreht sich, es wird von Globalisierung, alles Besser und "Wir Schaffen Das" gesprochen. Aus meiner Sicht und bei mir persönlich ist jedoch nix, aber auch gar nix besser, sondern viel mehr schlechter geworden, ja, ja ...

"EINFACH FRESSE HALTEN".

GOODBYE DEUTSCHLAND